FILUTIV
Filtertechnik & Luftreinhaltung  ·  Filtertechnik & Luftreinhaltung  · 
Alle Artikel
Fachwissen2025-03-257 Min.

Schweißrauchabsaugung: Vorschriften, Systeme & Kosten

Schweißrauch ist gesundheitsgefährdend und muss abgesaugt werden. Wir erklären die gesetzlichen Pflichten, vergleichen Systeme und zeigen, was es kostet.

Warum Schweißrauchabsaugung Pflicht ist

Schweißrauch enthält eine komplexe Mischung aus Metalloxiden, Gasen und ultrafeinen Partikeln. Viele dieser Stoffe sind nachweislich krebserregend – insbesondere Chrom(VI)-Verbindungen und Nickeloxide, die beim Schweißen von Edelstahl entstehen.

Der Gesetzgeber hat darauf mit klaren Vorschriften reagiert. Wer schweißen lässt, muss Schweißrauch absaugen. Das ist keine Empfehlung, sondern eine Pflicht.

Gesetzliche Grundlagen im Überblick

TRGS 528 – Schweißtechnische Arbeiten

Die Technische Regel für Gefahrstoffe 528 ist das zentrale Regelwerk für den Umgang mit Schweißrauch. Sie schreibt vor:

  • Rangfolge der Schutzmaßnahmen: Zunächst muss geprüft werden, ob ein emissionsärmeres Verfahren möglich ist. Wenn nicht, ist eine technische Absaugung Pflicht.
  • Absaugung an der Entstehungsstelle: Schweißrauch muss möglichst nah an der Quelle erfasst werden. Eine reine Hallenlüftung reicht nicht aus.
  • Atemschutz nur ergänzend: Persönliche Schutzausrüstung (Atemschutzmasken) darf nur als Ergänzung zur technischen Absaugung eingesetzt werden, nicht als Ersatz.
  • Arbeitsplatzgrenzwerte (AGW)

    Der allgemeine Staubgrenzwert (A-Fraktion) liegt bei 1,25 mg/m³. Für viele Schweißrauche gelten jedoch deutlich niedrigere Grenzwerte:

  • Allgemeiner Schweißrauch (unlegierter Stahl): 1,25 mg/m³ (A-Fraktion)
  • Mangandioxid: 0,02 mg/m³ (E-Fraktion) – relevant bei vielen Schweißverfahren
  • Chrom(VI)-Verbindungen: 0,001 mg/m³ – extrem niedriger Grenzwert beim Edelstahlschweißen
  • Nickeloxid: 0,006 mg/m³ – relevant beim Edelstahlschweißen
  • DGUV Regel 109-002

    Die berufsgenossenschaftliche Regel konkretisiert die Schutzmaßnahmen für schweißtechnische Arbeiten. Sie fordert unter anderem:

  • Regelmäßige Expositionsmessungen am Arbeitsplatz
  • Dokumentation der Schutzmaßnahmen
  • Unterweisung der Mitarbeiter
  • Arbeitsmedizinische Vorsorge
  • Konsequenzen bei Nichteinhaltung

    Wer die Vorschriften ignoriert, riskiert:

  • Bußgelder durch die Gewerbeaufsicht
  • Betriebsschließung bei akuter Gefährdung
  • Haftung bei Berufskrankheiten der Mitarbeiter
  • Höhere BG-Beiträge nach Arbeitsunfällen oder Berufskrankheiten
  • Systeme im Vergleich: Mobil, stationär oder zentral?

    Es gibt drei grundlegende Ansätze für die Schweißrauchabsaugung. Jeder hat seine Berechtigung – die richtige Wahl hängt von Ihrem Betrieb ab.

    Mobile Absaug- und Filtergeräte

    **Funktionsweise:** Fahrbare Einheiten mit integriertem Filter und Absaugarm. Der Arm wird vom Schweißer an die jeweilige Arbeitsstelle positioniert.

    **Vorteile:**

  • Geringe Investitionskosten (3.000 – 8.000 € pro Gerät)
  • Flexibel einsetzbar, kein Installationsaufwand
  • Ideal für wechselnde Arbeitsplätze
  • **Nachteile:**

  • Begrenzte Absaugleistung
  • Jeder Schweißer muss den Arm selbst positionieren – wird in der Praxis oft vernachlässigt
  • Höherer Wartungsaufwand pro Einheit
  • Filterentsorgung dezentral
  • **Geeignet für:** Kleine Betriebe mit wenigen Schweißarbeitsplätzen, Montagearbeiten, wechselnde Einsatzorte.

    Stationäre Absaugung mit Absaugarmen

    **Funktionsweise:** Fest installierte Absaugarme an jedem Schweißarbeitsplatz, verbunden mit einem stationären Filter. Jeder Arm hat einen Erfassungsradius von zwei bis vier Metern.

    **Vorteile:**

  • Hohe Erfassungsleistung durch optimale Positionierung
  • Zentrale Filterung und Wartung
  • Geringere laufende Kosten als mobile Geräte
  • **Nachteile:**

  • Höhere Investitionskosten als mobile Lösung
  • Arbeitsplätze sind örtlich gebunden
  • Absaugarm muss trotzdem manuell positioniert werden
  • **Geeignet für:** Mittlere Betriebe mit festen Schweißarbeitsplätzen.

    Zentrale Absauganlage mit Erfassungselementen

    **Funktionsweise:** Eine zentrale Filteranlage ist über ein Rohrleitungsnetz mit Erfassungselementen an jedem Arbeitsplatz verbunden. Die Erfassung kann über Absaugarme, Absaugtische, Absaughauben oder Einhausungen erfolgen.

    **Vorteile:**

  • Höchste Erfassungseffizienz
  • Zentrale Wartung und Filterentsorgung
  • Energieeffizient durch bedarfsgerechte Steuerung
  • Skalierbar bei Betriebserweiterung
  • Wärmerückgewinnung möglich (Heizkosten senken)
  • **Nachteile:**

  • Höchste Investitionskosten
  • Planung und Installation erfordern Fachwissen
  • Umbau bei Layoutänderungen aufwändig
  • **Geeignet für:** Größere Betriebe mit vielen Schweißarbeitsplätzen, hohem Schweißvolumen und fester Hallenstruktur.

    Filtertechnologien im Vergleich

    Patronenfilter

    Die Standardtechnologie für Schweißrauchabsaugung. Filterpatronen aus Polyester oder PTFE-beschichtetem Material filtern die Partikel mit einem Abscheidegrad von über 99,9 Prozent.

  • Einsatzbereich: Unlegierter Stahl, Aluminium, Edelstahl
  • Standzeit: 12 bis 36 Monate je nach Belastung
  • Abreinigung: Druckluft-Rückspülung (Jet-Pulse)
  • HEPA-Nachfilter

    Bei besonders kritischen Anwendungen – insbesondere Edelstahlschweißen mit Chrom(VI)-Belastung – wird ein HEPA-Filter (H13/H14) nachgeschaltet.

  • Abscheidegrad: 99,95 % (H13) bis 99,995 % (H14)
  • Pflicht bei: Chrom(VI)- und Nickeloxid-Belastung
  • Elektrostatische Filter

    Nutzen ein elektrisches Feld, um Partikel abzuscheiden. Vorteil: Kein Filtermedienwechsel nötig, nur regelmäßige Reinigung. Nachteil: Geringerer Abscheidegrad als Patronenfilter, nicht für alle Schweißrauche geeignet.

    Aktivkohlefilter

    Werden als Zusatzstufe eingesetzt, um gasförmige Schadstoffe (Ozon, Stickoxide) abzuscheiden. Relevant beim MIG/MAG-Schweißen und Plasmaschweißen.

    Kosten und Amortisation

    Investitionskosten nach Systemtyp

  • Mobile Geräte: 3.000 – 8.000 € pro Einheit
  • Stationäre Absaugarme (pro Arbeitsplatz): 5.000 – 12.000 € inkl. Verrohrung
  • Zentrale Anlage (10 Arbeitsplätze): 60.000 – 150.000 € inkl. Rohrleitungsnetz und Steuerung
  • Nachrüstung HEPA-Filter: 3.000 – 8.000 € pro Filterstufe
  • Laufende Kosten

  • Filterwechsel: 500 – 2.000 € pro Jahr je nach Anlage
  • Energie: 2.000 – 8.000 € pro Jahr je nach Anlagengröße und Laufzeit
  • Wartung: 1.000 – 3.000 € pro Jahr bei Wartungsvertrag
  • Amortisation durch Wärmerückgewinnung

    Zentrale Absauganlagen bieten die Möglichkeit, die gereinigte Warmluft im Winter zurück in die Halle zu führen. Bei einer typischen Schweißerhalle spart das 15.000 bis 40.000 Euro Heizkosten pro Jahr. Die Investition in eine zentrale Anlage amortisiert sich damit oft schon nach drei bis fünf Jahren.

    Amortisation durch geringere Krankheitstage

    Schweißer, die ohne Absaugung arbeiten, haben nachweislich mehr Atemwegserkrankungen. Die daraus resultierenden Fehlzeiten und Produktivitätsverluste übersteigen die Kosten einer Absauganlage bei Weitem.

    Herstellerunabhängige Beratung: Der Filutiv-Ansatz

    Die Auswahl des richtigen Systems erfordert eine neutrale Bewertung. Hersteller von mobilen Geräten empfehlen mobile Geräte, Hersteller von zentralen Anlagen empfehlen zentrale Anlagen. Beide haben Recht – für bestimmte Fälle.

    Filutiv arbeitet herstellerunabhängig. Wir analysieren Ihre Situation – Schweißverfahren, Materialien, Arbeitsplatzanzahl, Hallengeometrie, Budget – und empfehlen die technisch und wirtschaftlich beste Lösung. Dabei greifen wir auf Komponenten verschiedener Hersteller zurück und bauen Ihre Anlage exakt nach Ihren Anforderungen.

    Was unsere Beratung umfasst

  • Arbeitsplatzmessung: Erfassung der aktuellen Schweißrauchbelastung
  • Systemvergleich: Gegenüberstellung der Optionen mit konkreten Kosten
  • Fördermittelcheck: Prüfung, welche BAFA- oder KfW-Förderung Sie nutzen können
  • Planung und Umsetzung: Von der Auslegung bis zur Inbetriebnahme aus einer Hand
  • Dokumentation: Alle Unterlagen für Gewerbeaufsicht und Berufsgenossenschaft
  • Nächster Schritt: Kostenlose Erstberatung

    Sie schweißen und haben noch keine Absaugung? Oder Ihre bestehende Lösung reicht nicht mehr aus? In einer kostenlosen Erstberatung analysieren wir Ihre Situation und zeigen Ihnen die optimale Lösung – herstellerunabhängig und ehrlich.

    Fragen zu diesem Thema?

    Sprechen Sie direkt mit unserem Experten – kostenlos und unverbindlich.

    Erstberatung vereinbaren